Moldova und Maramures. Der Nordosten

…präsentiert sich leider arg garstig. Kaum fahren wir nordostwärts, fängt es zu regnen an. Und hört gleich eine ganze Woche nicht mehr auf. Es ist kalt und nass und grau und wir tingeln von einer Pension zur nächsten (ich musste Ralph nicht mal überreden, auch er hat keine Lust auf nasses Campen). Passend dazu einige Impressionen aus der sozialistischen Ära. Und weils so grässliches Strätztwetter ist gleich zum Autofenster raus fotografiert:

Dafür werden wir in der Moldova belohnt mit den wunderschönen Klosterkirchen, die nicht nur innen, sondern eben auch aussen komplett bemalt sind (klar, auch wieder Unesco-Weltkulturerbe). Ein besonders schönes Exemplar einer solchen Kirche steht in Voronet. Das Bildprogramm folgt den immer gleichen Regeln, mindestens das Jüngste Gericht und der Baum Jesse müssen draussen mit dabei sein. Innen gibts dann das orthodoxe Kalenderjahr und natürlich die ganze Vita Christi. Es wird in diesem Land ja viel gebetet und Kirchen gebaut. Dafür sind die Orte noch recht nett, nicht total überfüllt und die Touri-Ramsch-Buden halten sich auch in Grenzen. Wir lassen uns aber trotzdem hinreissen und kaufen mal sicherheitshalber ein Kreuz und eine Madonna mit Saugnapf und kleben sie hinter die Scheibe (ein richtiger Rumäne hat davon mindestens 5 an der Scheibe kleben. Bei dem Fahrstil kein Wunder. Zu helfen scheints aber kaum).

Weiter gehts etwas westwärts, an die ukrainische Grenze in die Maramures. Hier gibts nun Kirchen komplett aus Holz (genau, auch wieder Unesco-Weltkulturerbe). Innen sind sie wieder ganz bemalt (die Orthodoxen haben einen sehr ausgeprägten horror vacui…) und aussen kommt dann noch ein malerischer Friedhof mit Apfelbäumen dazu, sehr fotogen das Ganze. Und dazu gesellt sich noch ein neues Kloster-Ensembles (nicht Unesco zertifiziert, aber trotzdem hübsch).

Ein kleiner Exkurs zum ländlichen Rumänien: Der Norden ist stark vom Holz geprägt (obwohl ja ganz Rumänien unglaublich viele und grosse Wälder aufzuweisen hat), besonders in der Maramures sind die alten Häuser auch häufig reich verziert. Eine besondere Vorliebe haben sie für mächtige Eingangstore und verspielte Häuschen für die Ziehbrunnen (fast jedes Haus hat einen solchen). Und hier oben begegnen uns nun auch auf Schritt und Tritt die Pferdefuhrwerke, die alles Erdenkliche transportieren. Und natürlich darf auch der Markt nicht fehlen (den grossen lassen wir leider aus, denn ja, es giesst mal wieder wie aus Kübeln).

Schliesslich landen wir in Viseu de Sus, ein kleiner Ort, der an sich nicht besonders attraktiv. Es ist dies nun eine ehemals österreichische Siedlung, hier waren die Zipser zuhause. Viseu de Sus war bis zum 2.WK fast zur Hälfte jüdisch, daran erinnert nur noch der verlassene Friedhof. Und hier fährt die letzte Dampfeisenbahn von Rumänien, die wird sogar noch gebraucht, um das geschlagene Holz aus dem Tal zu holen (wos keine Strasse hingibt. Und das Holz wird natürlich mit Dieselloks geholt, die Dampfloks sind für die Touristenzüge). Unsere erste Fahrt klappt leider noch nicht ganz. Nach 20min ist die Dampflok kaputt, wir müssen in den Ort zurück. Dann gehts nochmals los mit einer Diesellok, aber nach 30min (immerhin etwas weiter hinten) ist auch da Schluss. Eine Schiene hat sich beim Drüberfahren gleich auf die Seite gelegt. Wenigstens ist der nächste Wagen nicht gekippt, aber weiter gehts nicht mehr. Eine grosse Aufregung, viel Warterei, aber lustig wars trotzdem. Beim zweiten Anlauf klappt dann alles wie am Schnürchen. Beim touristischen Ausbau war übrigens ein Schweizer massgeblich beteiligt, man siehts an den Wagen, in denen wir sassen…

Und jetzt geht es definitiv wieder in den Süden, ich habe genug von kalten Füssen. Wir fahren Richtung Donaudelta und dann ruft schon bald das Schwarze Meer!

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